Geothermie als Grundversorger – gemeinsam mit Sonne und Wind ?

In Deutschland verbrauchen Industrieanlagen und Privathaushalte für Waschmaschinen, Elektroherde und Heizungen, so informiert das Statistische Bundesamt, etwa 40 Gigawatt Strom täglich. Unterschiedliche Netzbetreiber sorgen dafür, dass diese Grundversorgung mit Strom zu jeder Tageszeit, konstant, gewährleistet ist. Damit sie diese Grundlast Forderung erfüllen können, benötigen Netzbetreiber verlässliche Stromlieferanten. In den vergangenen Jahren waren es die Kraftwerke, die aus fossilen Rohstoffe wie Kohle, ÖL, Gas und aus Kernkraft Strom erzeugten. Nur diese waren in der Lage, diese Grundlast an Energie verlässlich auf zu bringen. Die bisherigen Erfahrungen mit der Erneuerbaren Energie (EE) zeigt: Nur Sonne und Wind alleine können eine flächendeckende Versorgung mit Energie nicht erreichen. Aus Sicht von Experten, ist Energie aus Biomasse ein weiterer verlässlicher Stromlieferant. Umsichtige Verbraucher fragen sich: Gehört auch die Geothermie in diese wichtige Kategorie?

Die Bundesnetzagentur informiert, dass Im Juli 2013 34,5 Gigawatt der gesamten Stromleistung durch Solarenergie und 30,5 Gigawatt durch Windkraft geliefert wurde. Rechnerisch gesehen, wenn angenommen wird dass die Sonne ständig scheint und der Wind immer weht, entspricht diese Leistung mehr als die erforderliche Grundversorgung. Da solche Voraussetzungen an das Wetter nicht gegeben sind, benötigen die Solarmodule und Windräder mindestens noch einen verlässlichen Grundversorgungspartner. Erst mit diesem kann mit der Erneuerbaren Energie, so argumentieren die Anbieter von Erdwärme, gesichert so viel alternative Energie erzeugt werden, wie für eine Grundversorgung von 40 Gigawatt benötigt wird.

Die Experten der Geothermie weisen auf die Vorzüge der Erdwärme hin, die, nach ihrer Meinung, zu den Grundversorgern gehört .Sie machen auf die Gefahren aufmerksam, die nach ihrer Meinung dann entstehen, wenn konventionelle und EE vorübergehend gemeinsam für Strom sorgen. Sie geben zu bedenken, dass die Erneuerbare Energie, entgegen der Erwartung, einstige Grundlastkraftwerke in den finanziell weniger lukrativen Lastfolgebetrieb verdrängen. Die konservativ arbeitenden Kraftwerke sollen, bei Verbrauchsspitzen, eingesetzt werden, um die Differenz des Stromverbrauches auszugleichen. In der Lastfolge arbeiten diese Unternehmen aber, so wird errechnet, durch das ständige hoch- und runter fahren, unwirtschaftlich und produzierten mehr Schadstoffe als bei der ursprünglichen Verfahrensweise.

Wie wurde  die Grundlast bisher gewährleistet?

Die bisherigen Grundlastkraftwerke, die mit fossilen Brennstoffen oder Atomkraft betrieben wurden, arbeiteten möglichst ununterbrochen. Ihre volle Auslastung und der fortlaufende Stromkreislauf wurde teuer mit stetig steigenden Fixkosten und einer hohen Umweltbelastung gezahlt. Die anfänglich hohen Kosten für die Erstellung der Kraftwerke wurde damit gerechtfertigt, dass sie langfristig gesehen, als ein rentables Geschäftsmodell angesehen wurden.

Die Leipziger Strombörse verdeutlicht die Schwankungsproblematik

Stromschwankungen können Motor- und Geräteschäden auslösen. Sie können auch, in der Notfallversorgung, zu gesundheitlichen Schäden führen. In der Leipziger Strombörse EEX werden die Schwankungen deutlich sichtbar, wenn einzelne Zeiträume verglichen werden.

Demnach standen im Januar und im Februar 2013 nur höchstens 8 Gigawatt Solarenergie zur Verfügung. Die Windenergie sank im Juli 2013 unter 9,7 Gigawatt.

Wer einen Tag betrachtet, merkt, dass die Auswirkungen noch frappierender sind. Aus diesen Gründen kann, so Wolfgang Hageleit, die Versorgung mit Solar-und Windenergie alleine nicht bewerkstelligt werden. Er fordert den Ausbau der Geothermie.

Spielt die Geothermie bei der Energiewende eine wichtige Rolle?

Für Stromlieferanten ist die Einordnung ihres Angebotes als grundlastfähig wie ein Ritterschlag. Durch diese Qualifikation haben sie zusätzlich ein zündendes Verkaufsargument. Wolfgang Hageleit, Gesellschafter bei FG.de Forever Green betont, dass die Geothermie bei der Energiewende eine grundlegende Rolle spielt.

Erdwärme sei, im Gegensatz zu Energie aus Sonne und Wind, zu jeder Tages und Jahreszeit verfügbar. Er sieht die Nutzung der Wärme aus der Erde in einer Linie mit den konservativen Atom–oder Kohlekraftwerken. Diese sorgen für eine Grundversorgung mit Strom. Innerhalb eines Tages und einer Woche, so erläutert der Experte, gibt es Stromspitzen an denen viel Strom verbraucht wird. Nachts ist der Strombedarf meist niedrig. Zu der Zeit verbrauchen vorwiegend Firmen die auch nachts produzieren, Privathaushalte, Kaufhäuser und Einkaufszentren, Straßenbeleuchtungen, aber auch Krankenhäuser und Tankstellen, Energie.

Der GtV Bundesverband Geothermie schätzt das technische Potential von Geokraftwerken mit einer Leistung von über 30 Gigawatt sehr hoch ein. So gesehen könne der Grundlastbedarf an Energie in der Zukunft, wenn gewünscht, komplett mit Erdwärme gedeckt werden.

Seiner Überzeugung nach schwankt die Leistung anderer alternativer Stromanbieter stark, so dass sie der Rolle als Grundversorger nicht gerecht werden können. Durch die Nutzung von Erdwärme hingegen sei eine kontinuierliche Stromversorgung und darüber hinaus auch das Abschalten von umweltfeindlichen Kraftwerken, garantiert. Betreiber von Biogasanlagen weisen auf die Erfolge von Biogasanlagen zur Energiegewinnung hin. Kritiker von Biogasanlagen bemängeln, dass, laut Top Agrar, ein Drittel der Maisanbaufläche, die im Jahr 2013 insgesamt 2,49 Millionen Hektar betrug, für die Herstellung von Biogas verwendet werde. Sie sehen, durch die etwa 829.000 Hektar Anbaufläche von Mais zur Energiegewinnung, eine Gefahr für die Lebensmittelproduktion.

Ein ergänzender Artikel: Biogas – eine in die Kritik geratene Energieform