Ist Erneuerbarer Energie teurer als Gas, Öl und Kohle?

Wind und Sonne sorgen in der Zukunft, wahrscheinlich, mit der Ergänzung von Biogas, Wasserkraft und Geothermie, für die grundsätzliche Versorgung mit Energie in Deutschland. Es sind etwa 40 Megawatt Strom, die Industrieanlagen und Privathaushalte insgesamt, jährlich verbrauchen.
Momentan sind noch Kohlekraftwerke und Atommeiler am Netz. Sie sorgen, so suggerieren ihre Betreiber, für eine stabilen Lieferung von Strom. Viele kritische Verbraucher fragen sich: „Was kostet die Umwandlung von Energie aus Sonne, Wind und Biomasse in Strom?“ und „Wie sind die Vergleichskosten von fossilen Brennstoffen wie Gas, Erdöl oder Kohle?

Vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme, ISE, wurde eine Studie erstellt, die die Stromgestehungskosten von Techniken der Erneuerbaren Energie (EE) mit der aus fossilen Brennstoffen vergleicht.  Zusätzlich wurde eine Prognose für die weitere Kostenentwicklung bis zum Jahr 2030 erarbeitet. Um zu einem aussagekräftigen Ergebnis zu kommen, analysierten die Wissenschaftler aus Freiburg die beiden Möglichkeiten der Berechnungsgrundlagen für Strom. Damit stehen den verantwortlichen Wissenschaftlern, Politikern, Experten und Laien, Vergleichszahlen von Kraftwerken, die auf der Basis von Sonne, Wind und Biogas, produzieren, im Gegensatz zu Braun-Steinkohle und Gas, zur Verfügung..

Die Studie zeigt: Die Stromgestehungskosten der neuen Techniken sind in den letzten Jahren stark gesunken. Sie haben den Anschluss an die Kosten der konventionellen Stromerzeugung so gut wie erreicht. Es ist zu erwarten, dass bis zum Jahr 2030 die Gestehungskosten für Strom aus Solar- und Windanlagen, in Deutschland sogar unter der von fossilen Kraftwerken liegt.

Solaranlagen produzieren im Süden  Deutschlands preisgünstiger

Um zu aussagekräftigen Ergebnissen zu kommen, analysierten die Wissenschaftler Photovoltaikanlagen in unterschiedlichen deutschen Bundesländern. Ihre Gemeinsamkeit: Alle Anlagen die die Forschungsdaten lieferten, hatten eine horizontale, globale Sonneneinstrahlung von 1 000 bis 1200 Kilowattstunden, pro Quadratmeter und Ar.

Das Ergebnis der Studie: Photovoltaik-Freiflächenanlagen, die im Jahr 2013 in Süddeutschland installiert wurden, haben günstige Stromgestehungskosten von rund gerechnet 0,08 Euro pro Kilowattstunde.  Kleinere solare PV-Anlagen, die in der gleichen Zeit auf auf norddeutschen Dächern installiert wurden, kosteten durchschnittlich 0,14 Euro. Die höchsten Kosten, im Vergleich, verursachte der durchschnittliche, mit konventionellen Rohstoffen erzeugte Haushaltsstrompreis von 0,29 Euro.

Onshore-Windenergieanlagen erzeugen Strom billiger als Steinkohlekraftwerke

Es gibt zwei unterschiedliche Formen von Windenergie-Anlagen. Solche, die an Land stehen, werden Onshore-Windenergie-Anlagen genannt. Offshore-Windanlagen nennen sich solche, deren Fundament in der See verankert sind. Dort weht der Wind kontinuierlicher und stärker als an Land. Viele Windräder werden zu einem “Windpark” zusammen gefasst. Es sind die Onshore-Windenergieanlagen, die an besonders windträchtigen Standorten, zu günstigeren Preisen produzieren als die Kraftwerke, die mit Steinkohle- , Gas- oder mit Dampf beheizt werden und so Energie in Strom wandeln. Die Stromgestehungskosten für Onshore-Windenergie liegt im Jahr 2013 zwischen 0,05 und 0,11 Euro, pro Kilowattstunde.

Im Gegensatz dazu sind die Stromgestehungskosten für Offshore-Windenergieanlagen, mit 0,12 bis 0,19 Euro deutlich höher, obwohl Onshore-Anlagen täglich länger Strom produzieren. Wie Experten errechnen, können die Kosten bei der Offshore-Technologie noch erheblich gesenkt werden. Eine Senkung der Kosten ist bei Onshore-Windanlagen nicht mehr zu erwarten. Biogas-Anlagen kommen auf 0,14 bis 0,22 Euro und liegen mit den Gestehungskosten fast gleich mit den Offshore-Windanlagen.

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Die nach gelagerten Kosten sind das “Zünglein an der Waage”

Ob die Erneuerbare Energie sich im Wettbewerb behaupten kann, wird nicht nur durch die Herstellungs- sondern auch durch die nach gelagerten Kosten entschieden. Dieser Auffassung ist Christoph Kost, Projektleiter am Fraunhofer ISE. Einen wesentlichen Einfluss haben auch die Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel die Sonneneinstrahlung und das Windangebot, die Finanzierungskosten und die Risikoaufschläge für neue Kraftwerke. Nur wenn alle Kosten summiert werden, können die einzelnen Technologien wirklich miteinander verglichen werden. Gleichzeitig wird die Konkurrenzfähigkeit der Erneuerbaren Energie überzeugend veranschaulicht.

Als Referenzwerte werden in der Studie die Stromgestehungskosten von neuen konventionellen Braun-, Steinkohle- und Erdgaskraftwerken herangezogen. Abhängig von den angenommenen Volllaststunden, dem Brennstoff- und den CO2-Zertifikatspreisen, sind die Stromgestehungskosten von Braunkohlekraftwerken aktuell 0,053 Euro pro Kilowattstunde, Steinkohle 0,080 Euro und bei Gas- und Dampfkraftwerken bei bis zu 0,098 Euro.

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Ausblick und Prognose auf Photovoltaik und Wind im Jahr 2030

Nach Auswertung und dem Vergleich aller Daten, prognostizieren die an der Studie beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Fraunhofer ISE: Die Stromgestehungkosten für Photovoltaik sollen demnach auf 0,06 bis 0,09 Euro pro Kilowattstunde sinken.

Dann ist es denkbar, dass selbst kleine PV-Anlagen, die auf den Dächern von Privathäusern installiert sind, mit größeren Onshore Anlagen und den gestiegenen Stromgestehungskosten anderer Anlagen konkurrieren können. Wie Professor Eicke R. Weber, Leiter des Fraunhofer ISE, erklärt, werden Onshore-Windenergieanlagen ebenfalls kostengünstiger.

Spätestens für das Jahr 2020 wird erwartet, dass die voraus beschriebenen Kosten mit denen von Braunkohle vergleichbar sind. Bis dann sollen die Zahl der Volllaststunden der konventionellen Kraftwerke absinken und die CO2-Zertifikatspreise ansteigen.

Wenn die Technik der Erneuerbaren Energien miteinander verglichen wird, zeigt sich, dass die Kosten von PV- und Onshore-Windanlagen in der Zukunft auf dem gleichen Level, und damit deutlich unter 0,10 Euro pro Kilowattstunde liegen werden. Damit haben diese beiden Technologien ihre Vorteile deutlich auch auf dem Kostensektor gezeigt. Die höheren Kosten bei Biomasseanlagen werden durch ihre Regelbarkeit wett gemacht.

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