Ist Biodiesel E10, Benzin oder Urin die Energie der Zukunft?

Autofahrer und alle, die beruflich auf ein Fahrzeug angewiesen sind, schauen besorgt auf die täglich steigenden Spritpreise und fragen sich bange, ob sich diese wieder in einen halbwegs verträglichen Bereich einpendeln. Angesicht von Preisen über 1,60 Euro pro Liter Super Benzin, wird zusätzlich hinterfragt, ob die Erneuerbare Energie (EE) auch preisgünstiger ist.

Immer mehr Kommunen und Städte nutzen verstärkt Erneuerbare Energie. Generell sind 80 Prozent der Verbraucher, nach Informationen der Agentur für Erneuerbare Energie, in Berlin, für die Einführung der Erneuerbaren Energie.

Im Bereich der Kraftstoffe aus Raps, Topinambur, Gräser und Hühnerfedern zögern sie und Experten stellten fest, dass die Skepsis gegenüber Erneuerbarer Energie auf eine mangelnde Information zurück zu führen ist. Nur so konnte, im Rückblick gesehen, die Einführung des Biokraftstoffes E10 im Jahr 2011, zu einem Desaster werden.

Gründe, warum E10 Startschwierigkeiten hatte

Im Januar 2011 sollte der Kraftstoff E10 verbindlich eingeführt werden. Eine ungenügende Vorbereitung bei der Einführung führte zu einer Verunsicherung der Verbraucher. Sie fragten sich zum Beispiel, welche Autos E!0 vertragen und warum er teurer ist. Sie erhielten, ebenso wie die Autohersteller, vom Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle, beim einberufenen “Benzin-Gipfel”, im März 2011, nur unzureichende Auskünfte.

Weder Hersteller noch Verbraucher wurden, so bemängelt der ADAC, vorzeitig über Vorteile und Risiken von E10 informiert. Das führte, im Februar und März 2011 zu einem vermehrten Verbrauch von Super-Benzin, der den Preis ansteigen ließ. Der Biotreibstoff E10 den, laut damaliger Informationen des ADAC und anderen Experten, angeblich nur drei bis vier Millionen deutscher Autos vertrugen, wurde nur an wenigen Tankstellen angeboten. Ein ergänzender Artikel: Warum ist Energie aus Biomasse für Autos wichtig?
Die Motoren von vielen der übrigen Fahrzeuge könnten, so Thomas Brüner, Leiter der Mechanikentwicklung bei BMW, durch die Erhöhung des Ethanolgehaltes auf zehn Prozent, in Mitleidenschaft gezogen werden. Er gab damals zu bedenken, dass, um Schaden von den Motoren abzuwenden, Autofahrer künftig zum Ölwechsel in die Werkstatt fahren müssen und dabei bis zu 200 Euro zahlen müssten.

In diesem Zusammenhang kommt eine viel preisgünstigere Treibstoffquelle ins Gespräch: Urin. Auch AdBlue, eine synthetisch hergestellte 33 Prozentige Mischung von Harnstoff und demineralisiertem Wasser, das die Abgase bereinigt, arbeitet sich bei der Abgasreinigung stetig voran.

Ist Urin eine akzeptable Treibstoffquelle?

Seit dem Jahr 2007 erwägen Wissenschaftler der Ohio University, Urin als alternative Treibstoffquelle. Sie erkannten, dass dieser, mittels eines Katalysators, zu einer preisgünstigen Wasserstoffquelle werden kann. Jon Edwards, Media Relations Officer, der Royal Society of Chemistry, in London, bestätigt das Forschungsergebnis der Chemikerin Gerardine Botte, das im Fachmagazin der „Royal Society, Chemical Communications“, veröffentlicht wurde. Er ergänzt das Forschungsergebnis dahin gehend, dass zukünftig Autos mit dem so gewonnenen preisgünstigen Wasserstoff versorgt werden können. AdBlue wird schon jetzt, besonders für LKW`s, als Zusatz der die Abgaswerte verbessert, angeboten. Zusätzlich kann das Produkt auch zur Reinigung von Gewässern eingesetzt werden. Die einzigen nachvollziehbaren Vorbehalte gegenüber dem aus Harnstoff hergestellten Wasserstoff, ist der hohe Salzgehalt.

Wie wirkt aus Harnstoffen hergestellter Wasserstoff?

Edwards erklärt, dass der Hauptbestandteil des Urins, der Harnstoff, anders als Wasser, vier Wasserstoffatome hat. Diese sind nur gering miteinander verbunden. Die Chemikerin Botte erläutert, dass der Harnstoff auf der Oberfläche der Nickel-Elektrode absorbiert wird. Im Wissenschaftsmagazin “New Scientist” wird publiziert, dass ein Forscherteam aus Singapur eine mit Urin gespeiste voll funktionsfähige Batterie entwickelte. Mit einem Tropfen Urin könne eine Spannung von 1,5 Volt erreicht werden. Das bedeutet, dass, um eine Leistung von 12 Volt, das der Leistung einer handelsüblichen Autobatterie entspricht, zu erreichen, nur acht Tropfen Urin benötigt werden.

Wie mittels Urin und der SCR-Technik das Abgas gereinigt wird

Mit der Selective Catalytic ReductionTechnologie (SCR) wird,durch eine Einspritzung der AdBlue-Harnstoff- Mischung in den Motor, der Ausstoß der Stickoxide gesenkt. Da die Umweltbelastung durch diese besonders bei schweren LKW´s hoch ist, haben sich europäischen Hersteller schon für diesen Katalysator entschieden. AdBlue zeichnet sich dadurch aus, dass es qualitätsgesichert ist und, im Sinne des Chemikalienrechts nicht als Gefahrgut gilt. Bisherwird ADBlue an etwa 300 öffentlich zugängliche Abgabestellen, an der Zapfpistole oder im Kanister angeboten.

Die ersten Fahrzeuge mit SCR Abgasreinigung

Im Sommer 2006 nutzten in Europa bereits über 40.000 SCR-Lkw´s die SCR-Technologie und mehrere europäische Pkw-Dieselhersteller in den USA planen hochsaubere, mit SCR-Systemen ausgerüstete Dieselfahrzeuge. Im September 2009 stellte, als erster Automobilhersteller Mazda, auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt, ein Fahrzeug mit Dieselmotor und SCR-Abgasreinigung vor. Die AdBlue-Technologie macht auch den VW Crafter BlueTDI um bis zu 0,9 Liter sparsamer.Eine weitere Spriteinsparung kann auch bei der Verwendung von herkömmlichem Benzin aus Erdöl, durch eine zusätzliche Verwendung von Leichtlauf-Motoröl erreicht werden.