Die Kosten für Biogasanlagen mit Restmüll senken?

Biogasanlagen werden mit Bioabfällen von Privathaushalten, mit Grünschnitt aus Gärten und Parkanlagen, mit Abfall aus der Landwirtschaft, von Gärtnereien, Mostereien und von Weingütern, gefüttert. In den vergangenen Jahren haben sich Landwirte zusätzlich auf den Anbau von Energiepflanzen, für Biogasanlagen, spezialisiert.

Wie das Magazin topagraronline bekannt gibt, will die zukünftige Bundesregierung, zur Bestückung von Biogasanlagen, vorrangig Rest- und Abfallstoffe einsetzten. Bringt diese Nutzung wirklich die erwartete Kostensenkung? Welche Vor- und Nachteile hat eine Bestückung von Biogasanlagen mit Restmüll?

Die Arbeitsgruppe Energie hat bei den Koalitionsverhandlungen signalisiert, dass mit der Verwertung von Restmüll in Biogasanlagen zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden sollen. Es sind der in den letzten Jahren entbrannte Konkurrenzkampf um Anbauflächen in der Landwirtschaft für Nahrungsmittel und eine gleichzeitige Kostensenkung in der Biogasproduktion, die zu den Überlegungen führten. Bei den Berechnungsgrundlagen, die eine Kostensenkung in Aussicht stellen, wird fälschlicherweise davon ausgegangen, dass Rest- und Abfallstoffe kostenlos sind.

Diese Annahme ist populär, hält aber einer näheren Betrachtungsweise nicht stand. Tatsache ist, dass die steigende Nachfrage nach Bioabfällen diese teurer werden lassen. Zusätzlich fallen die„Entsorgungserlöse“, die bis 2002 den Betreiber von Biogasanlagen gezahlt wurden, seit einigen Jahren weg. Es ist plötzlich ein Missverhältnis entstanden. Hier eine gleichbleibende Menge energiereicher Substrate, dort eine ständig größer werdende Zahl von Biogasanlagen. Die Zahl der Biogas-Anlagen hat sich bis zum Jahr 2013 vervierfacht, das Potenzial der Reststoffe hat dagegen, abgenommen. (Ausgenommen von dieser Berechnung ist der Grünschnitt der Landschaftspflege und Gülle und Mist, aus der Landwirtschaft)

Die mögliche Folge dieser Schieflage: Viele Biogas-Betreiber müssen, auch aus dem Ausland, energiereicher Stoffe importieren. Es wird von Wirtschaftsexperten als wahrscheinlich angesehen, dass ein neuer Abfalltourismus, mit Stoffen zweifelhafter Herkunft, erfolgen wird. Erschwerend kommt hinzu, dass die Abfälle zusätzlich zu den Nährstoffen, auch weitere Schadstoffe nach Deutschland bringen. Rechnerisch wird die steigende Nachfrage nach billigem Restmüll den Abfall teurer machen und der Druck am Pachtmarkt würde hoch bleiben.

Wie können Biogasanlagen ins Stromsystem von Sonne und Wind eingebaut werden?

Das Projekt Kombikraftwerk 2 zeigt, dass ein intelligentes Energiesystem zukünftig die Verbraucher in Deutschland zu 100 Prozent mit Erneuerbarer Energie (EE) versorgen kann.Ein ergänzender Artikel: Sicherer Stromnetzbetrieb mit 100 Prozent Erneuerbarer Energie möglich.

Wind und Solarenergie gelten bei der Energiewende als Grundlastversorger. Da sie die 40 Megawatt für die Grundversorgung, plus einer Sicherheitsreserve, momentan noch nicht alleine aufbringen können, bieten sich Biomasse und Geothermie als Ergänzung an. Doch die Herstellung von Biogas ist nicht unumstritten.

Ein ergänzender Artikel: Biogas- eine in die Kritik geratene Energieform – der Fachverband klärt auf

Wissenschaftler und Praktiker erarbeiten momentan ein Konzept zum sinnvollen Einbau der Biogasanlagen in das zukünftige Energiesystem. Das Ziel ist, die Grundversorgung mit Strom zu ergänzen, gleichzeitig Ausgleichsstrom zu speichern und so fossile Kraftwerke zu ersetzen. Es wurde klar, dass die zukünftige Herausforderung für die Bundesregierung darin besteht, Naturschutz, Nahrungsmittelproduktion und die Systeme der Bioenergie „unter einen Hut“ zu bekommen.

Warum keine Kleingasanlagen für Gülle und Mist?

Viele Gärtner und Landwirte können sich zum Beispiel eine eigene Biogas-Kleinanlage auf ihrem Hof oder in ihrem Betrieb gut vorstellen. Bisher scheiterten viele Anträge, weil die Auflagen, aus Sicht der Landwirte, nicht praxistauglich sind. Experten regen an, die Genehmigungsauflagen für Kleinanlagen, zum Beispiel beim Einsatz von Gülle und Mist in Biogasanlagen, einfacher und praxisgerechter zu gestalten.

Worauf achten Fachleute bei der Bestückung von Biogasanlagen?

Es wird darauf hingewiesen, dass bei der nachhaltigen Nutzung von Energiepflanzen, großer Wert auf das Aufkommen geringerer Emissionen und geschlossene Nährstoffkreisläufe gelegt wird. Experten machen darauf aufmerksam, dass Biomasse, gegenüber fossilen Brennstoffen, große Vorteil hat. So wird bei der energetischen Nutzung nur die Menge an Kohlendioxid frei, die die Pflanzen zuvor im Wachstum gebunden haben. Kritiker weisen darauf hin, dass die CO2-Emissionen, die der Herstellungsprozess verursacht, meist bei den Berechnungen nicht hinzugerechnet wird. Ihre Forderung: Sowohl die Produktion der Pflanzen als auch ihre Nutzung muss nachhaltig sein. Für den Anbau bedeutet dies zum Beispiel, ein möglichst breites Artenspektrum. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) fördert verstärkt Projekte, die dieses Ziel verfolgen.

Landwirte, die verstärkt auf Energiepflanzen setzen, bauen aktuell vor allem solche Pflanzen an, die schon die in der Nahrungsmittel- und Futtererzeugung etabliert sind. Der Grund: Für diese Pflanzen ist der Brennwert bekannt und die nötige Technik zur Verarbeitung ist vorhanden. Das Interesse an Alternativen ist jedoch groß. Anzumerken ist, dass insbesondere bei der Verbrennung von pflanzlichen Rohstoffen, neben Kohlendioxid, auch andere Schadstoffe produziert werden. Damit die Erzeugung von Energie aus Biomasse nachhaltig ist, dürfen diese in ihrer Gesamtheit nicht höher anfallen als bei der Umwandlung fossiler Energieträger. Damit diese s Ziel erreicht wird, müssen vorhandene Konversionsverfahren weiter entwickelt werden und Rahmenbedingungen, zur Entwicklung und Forschung von sauberen Technologien, besonders gefördert werden.

Eine Zertifizierung von Biomasse und Müll wird erforderlich

Biomasse muss, um ihren Zweck zu erfüllen, den Nachhaltigkeitsstandards entsprechen. Eine Zertifizierungsrichtlinie für die Erzeugung von Biokraftstoffen aus Energiepflanzen wird von den Ministerien erarbeitet.