China bei Erneuerbarer Energie Störenfried oder Partner der EU?

Der weite Bereich der Erneuerbaren Energie (EE) gehört momentan, in Deutschland, zu den entwicklungsstärksten Branchen der Volkswirtschaft. Aber auch in anderen Ländern ist die Nachfrage nach einer Alternative zu Öl und Gas, als Energieträger, gestiegen. Antje Nötzold, von der Technischen Universität, Chemnitz, beschäftigte sich in ihrer Doktorarbeit, mit dem Einfluss der chinesischen Energiepolitik auf den europäischen Markt. Die Doktorarbeit von Antje Nötzold hat den Einfluss der chinesischen Energiepolitik auf den europäischen Markt, und ihre Auswirkungen, zum Inhalt.

Im weltweiten Vergleich verbraucht China, mit steigender Tendenz, riesige Mengen an Energie. Antje Nötzold merkt an, dass ein erhöhter Energiebedarf als eine normale Wirtschaftsentwicklung eines Landes und die immer höheren Erdölimporte Chinas als eine wachsende Verbindung mit dem „Rest der Welt“ anzusehen sei. Sie erklärt, dass die Volksrepublik China, noch bis zum Jahr 1993 einer der wichtigsten Exporteure aller fossilen Energieträger war. In weniger als 30 Jahren habe das Land sich zum zweitgrößten Konsumenten von Energie, mit einem stark ansteigenden pro Kopf Verbrauch entwickelt. Sie legt die Bedenken der chinesischen Regierung, Erneuerbare Energie zu nutzen, dar. Die chinesische Regierung legt auf eine gesicherte Versorgung ihrer Bevölkerung mit Energie wert und überlasse deren Sicherheit und die Durchsetzung der Interessen, für Im- und Exporte, nicht der chinesischen Wirtschaft alleine.

Warum eckt China, aus Sicht Europas, bei der Energiepolitik an?

Die Art, wie China in den Markt der erneuerbaren Energie einsteigen will, ist aus der Sicht von Europäern zu aggressiv. Diese betrachten die Chinesen, die in diesen Markt wollen, als Späteinsteiger, die manchmal sogar als Störenfriede wirken. Antje Nötzold fasst die Beschwerden zusammen: China missachte die gängigen Spielregeln und dränge Konkurrenten massiv vom Markt. Das plötzliche chinesische Streben nach Energieressourcen wird als gefährliche Raffgier, die die regionale und internationale Sicherheit gefährde, gesehen. Hinter der vorgehaltenen Hand wird das chinesische Bedarfswachstum sogar als eine mögliche Ursache für weltweite Konflikte und für den plötzlich stark ansteigenden Erdölpreis, seit dem Jahr 2000, betrachtet. Europäer beurteilen die Entwicklung Erneuerbarer Energien auch vom ökologischen, globalen Standpunkt aus. Sie stellen hohe Anforderungen an die chinesische Regierung, zum Beispiel die Menschenrechte zu achten und wirtschaftliche Reformen zu unterstützen.

Was entgegnet die chinesische Regierung?

Die Chinesische Regierung verbittet sich von anderen Ländern eine Einmischung in alle Belange der innere Angelegenheiten. Aus ihrer Sicht ist der Markt der Erdöl und Erdgas produzierenden Länder bereits unter den westlichen Unternehmen aufgeteilt, so Nötzold. Für China bliebe nur noch die Suche nach risikoreichen oder politisch fragwürdigen Nischen, so versucht die Wirtschaftsexpertin das Verhalten Chinas zu erklären. Sie betont, dass China auch die Förderung von Erdöl in risikoreichen Gebieten und in weniger gewinnträchtige Förderprojekte unterstütze. Das trage dazu bei, die Abhängigkeit von den dominierenden Vorhaben zu verringern und damit zu einer global gesicherten Versorgungssicherheit.

Es empfiehlt sich frühere, wirtschaftliche Fehler zu vermeiden

Nötzold bemerkt, dass, obwohl die Auswirkungen der chinesischen Energiepolitik unterschiedlich gesehen und bewertet werden, es nicht ausreiche abzuwarten bis man irgendwie zusammen finde. Sie schlägt der europäischen Wirtschaft vor, die chinesische Regierung nicht weiterhin beständig wirtschaftlich „an den Pranger“ zu stellen. Die Verantwortlichen sollten versuchen, den chinesischen Energiemarkt für sich zu nutzen”, so die Politikwissenschaftlerin. “Europa sollte bestrebt sein, die Volksrepublik in die Weltrohstoffmärkte zu integrieren.” Damit dies möglich sei, müsse China allerdings auch stärker an der Ausrichtung der Rahmenbedingungen beteiligt werden.

Wie kann Chinas Wirtschaft zu einer Zusammenarbeit motiviert werden?

Um Peking zu einer Zusammenarbeit mit Europa, anzuregen, sollte eine Zusammenarbeit in den Bereichen der Energieeinsparungen, dem Umweltschutz und den ausgereiften europäischen Technologien, angestrebt werden, fordert die TU-Absolventin. China könne von den europäischen Erfahrungen profitieren und rasch ein modernes Energiesystem aufbauen. Antje Nötzold empfiehlt Europa eine Zusammenarbeit mit China, aber darauf zu achten, dass europäische wirtschaftliche wie politische Interessen durchgesetzt werden. Der große Markt, den China biete, sei für Europa eine wichtige Möglichkeit, die Investitionskosten für realisierte technologische Entwicklungen schneller wieder zu erwirtschaften und die technologische Führerschaft zu halten, betont Nötzold. Sie bemerkt, dass Europa zwar eine Quelle für alternative und effizientere Energietechnologien darstellt, aber erst zusammen mit China neue Technologien zügig weiterzuentwickeln und verwirklichen könne.

Die Wirtschaftsexpertin regt an, dass die Sicherung der Energieversorgung, auch in Europa, als öffentliche Aufgabe des Staates wahrgenommen werden solle. Einen dringenden Handlungsbedarf stellt Nötzold bei der Transportinfrastruktur fest: Die gewinnorientierten Interessen der Unternehmen und die strategischen Bewertungen der EU fielen häufig auseinander: Damit Unternehmen handlungsfähig blieben, müssen strategische Entscheidungen im europäischen Interesse nicht nur getroffen, sondern die Projekte auch umsetzbar sein. Als Beispiel stellte die Wirtschaftsexpertin ihre Idee eines eigenen Fonds zur Finanzierung strategischer Infrastrukturprojekte vor. Dieser orientiert sich am Vorbild der Regionalförderung. „Die vorgeschlagenen Handlungsempfehlungen unterstützen“, so Nötzold, „eine gemeinsame europäische Energiepolitik und sorgen dafür, dass die europäische Wirtschaft nicht schon vor dem Ende des Erdölzeitalters ihren ‚Lebenssaft‘ verliert.“

Infoquellen:

Ein Blick ins Buch ist möglich:

Nötzold, Antje: Die Energiepolitik der EU und der VR China – Handlungsempfehlungen zur europäischen Versorgungssicherheit, VS Verlag, Wiesbaden, 2011, 395 Seiten, 49,95 Euro

Buchrezension: “Die China AG”, von H. J. Fuchs
Hans Joachim Fuchs: Die China AG FinanzBuch Verlag, 2008, Hardcover, 436 Seiten, Euro 34,90.