Auszahlung von Lebensversicherungen, Bauspar- und Pensionskassen gefährdet

Die niedrigen Zinsen führten dazu, dass im Herbst 2013 erstmalig mehrere deutsche Lebensversicherungen Probleme haben die Finanzreserven, die sie benötigen um liquide zu sein, aufzubauen. Die Lage ist inzwischen so brisant, dass die Regierung den Kunden kaum Hoffnung auf eine schnelle Änderung der Lage machen kann.

Verbraucherschützer sprechen momentan von einer Finanzsituation, wie bei einer Zwickmühle, bei der jede Handlung ungünstig endet. Den Kunden, die sich eine Auszahlung einer Gewinnbeteiligung erhoffen, kann erstmals nicht zugesichert werden, dass sie ihr Geld erhalten. Sie stehen vor der Wahl sich dass Geld sofort, aber mit Einbußen auszahlen zu lassen oder, bei einer sofortigen Auszahlung, Einbußen in Kauf zu nehmen und unter Umständen vergebens darauf zu warten, dass sich die Branche wieder erholt.

Kein Land in Sicht

Letzteres scheint jedoch immer unwahrscheinlicher, weil diesen Umschwung nur, laut Finanzministerium, steigende Zinsen bewerkstelligen könnten. Eine Entspannung der Situation ist langfristig nicht in Sicht. Im Gegenteil, Finanzexperten rechnen damit, dass, wenn die Niedrigzinsphase an den Kapitalmärkten weiter anhält, die Lage sich, besonders für die Lebensversicherungen zuspitzt und es immer schwieriger wird diese zu beherrschen.

Warum geraten die Versicherungen in eine bedrohliche Schieflage?

Um das von den Versicherten vorgestreckte Geld gewinnbringend anzulegen, haben sich die Versicherungen verpflichtet einen hohen Anteil der Einlagen in Staatsanleihen und anderen wertbeständigen Wertpapieren anzulegen. Bedauerlicherweise werfen neue Anlagen aber momentan nur geringe Zinsen, ab. Die Folge: Wenn, wie es momentan der Fall ist, alte, vertraglich hoch zu verzinsende Anlagen abgelöst werden müssen, gerät dieses Finanzsystem in einen negativen Sog. Es scheint unvermeidbar, dass der durchschnittliche Zins ins bodenlose sinkt.

Etwa zehn Gesellschaften kämpfen ums überleben

Wie die “Süddeutsche Zeitung” Ende August 2013 berichtete, sind es inzwischen mehr als zehn Versicherungen die nicht mehr in der Lage sind die den Kunden versprochenen Gewinne zu erwirtschaften. Sie zogen die Notbremse und beantragten bei der Finanzaufsicht BaFin die Beteiligung der Kunden an der Zinsausschüttung für eine unbestimmte Zeit auszusetzen. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, wollen sie zukünftig nur noch geringere Beträge, als die bisher ausgezahlten 75 bis 90 Prozent, auszahlen. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass die Bundesregierung Vorschläge machen will, wie die Zahlungsfähigkeit der Versicherungen, in Zeiten niedriger Zinsen, wieder herzustellen sei. Damit die Handlungen greifen könnten, müsse zuvor bekannt gemacht werden, wie die noch unbekannten zukünftigen europäischen Aufsichtsregeln sind.

Es müssen unverzüglich Entscheidungen getroffen werden

Der FDP-Finanzexperte Volker Wissing betont, dass die Lage für die Versicherungsunternehmen nicht einfach sei, obwohl die meisten von ihnen solide aufgestellt seien. Er mahnt die Politiker mit regulierenden Eingriffen in die Anlagenpolitik vorsichtig zu sein. Auf drängen des Finanzexperte Gerhard Schick (Die Grünen/Bündnis 90) kommt eine Sondersitzung zu Stande. diese kritisiert die Bundesregierung dahingehend, Zeit versäumt zu haben, denn die Zinsflaute sei lange genug bekannt. Der Obmann der Unionsfraktion im Finanzausschuss, Hans Michelbach, sieht Handlungsbedarf, erwartet von der Gremiumssitzung aber keine beschlussfähigen Vorschläge.. Allerdings müsse die Lage der Versicherer intensiv besprochen werden.

Quelle: vks/Reuters