300 Jahre Nachhaltigkeit – modern – aber keine neue Erfindung

Besonders die Menschen, die beruflich mit dem Begriff „Nachhaltigkeit“ zu tun haben, gebrauchen ihn so selbstverständlich, als sei er ein Produkt der modernen Sprache. Wie sich bei der Festveranstaltung: “300 Jahre Nachhaltigkeit” im April 2013, in Berlin herauskristallisierte, wurde er erstaunlicherweise, schon vor 300 Jahren geprägt.

Die offizielle Eröffnungsveranstaltung zur Kampagne „300 Jahre Nachhaltigkeit“ war im März 2013, im Rahmen einer Lesung aus der Sylvicultura oeconomica von 1713 in Leipzig. Dort nahm das Prinzip der Nachhaltigkeit vor 300 Jahren seinen Anfang.

Wer prägte den Begriff „Nachhaltigkeit“?

Es kommt vielfach vor, dass Worte des täglichen Gebrauchs, so natürlich angewand werden, dass jeder annehmen muss, dass sie irgendwie modern geprägt, in unser Leben und den täglichen Sprachschatz kamen. Wie bekannt wurde, verhält sich das beim Begriff „Nachhaltigkeit“ anders. Es wurde erstmalig, vor 300 Jahren, im Jahr 1713, vom sächsischen Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz, formuliert. Er ist der Autor der „Sylvicultura Oeconomica „, die die erste geschlossene Abhandlung über eine nachhaltige Waldwirtschaft in Deutschland ist. Dieses Buch gilt als grundlegendes Werk in der Entwicklung der Forstwirtschaft, auf forstwirtschaftlichen Grundlagen.

Nachhaltigkeit, ein Kind des Waldes. Warum?

Pflanzen sind generell für den Menschen überlebensnotwendig. Ohne sie ist ein Leben auf der Erde für Mensch und Tier nicht möglich, weil sie für uns, zu jeder Zeit, Tag und Nacht, kostenlos, über 300 Dienstleistungn vollbringen. Die Produktion von Sauerstoff, den wir zum Leben brauchen, ist eine der wichtigsten Funktionen. Zusätzlich erfreuen Pflanzen, mit ihrer Blütenpracht und ihrem Duft und gutem Aroma, Nicht nur die Augen, sondern alle Sinne. Gewächse, die zum Beispiel als Gras, Blume, Heilkraut, Baum, Strauch, Obst und Gemüse in der Natur vorkommen, dienen unter Anderem der Gesundheit, wärmen uns, bieten uns ein Heim und stillen täglich unseren Hunger und unser Bedürfnis nach Süßigkeit.

Bäume haben einen zusätzliche, forstwirtschaftliche Nutzen. Ihr Holz kann, wenn es geerntet wird, zum Beispiel als wertvolles Holz für Möbell und Gebrauchgsgegenstände oder als Brennholz, im In-und Ausland verkauft werden.

Aktuell gesehen, bedeckt der Deutsche Wald im Jahr 2013, über 11 Millionen Hektar, das sind etwa ein Drittel der Landesfläche von Deutschland.Er ist, zusätzlich zu seinem Gesundheits-und Erholungswert für die Einwohner und die Touristikbranche, besonders für die Forstwirtschaft wertvoll. Damit sein Bestand nicht gefährdet wird, hat die nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes heute, in Deutschland, eine große Bedeutung. Der ergänzende Artikel: „Bayerischer Wald-Aufforstung mit neuen Baumarten“, geht auf die Bestandspflege des Waldes ein.

Die Bäume des Waldes wachsen, im Vergleich zu Kletterpflanzen, langsam. Zwischen der Anpflanzung der kleinen Bäume in der Baumschule, über die Verpflanzung an ihrem Standplatz, bis zum Fällen der Nutzhölzer, vergehen Jahre. In dieser Zeit beeinflussen sie das Klima günstig, speichern Energie der Sonne, spenden für Mensch und Tier Schatten, filtern die Atemluft und erhalten sie so rein, dass Mensch und Tier gesund leben können.

Wegen der großen Zeiträume,muss die Planungen in der Forstwirtschaft immer langfristiger als in anderen Sparten der Energiewirtschaft sein.Weil langfristige Planung auch etwas mit Verantwortung der nächsten Generation gegenüber zu tun hat,scheint es logisch, dass der Begriff „Nachhaltigkeit“ in Sektor der Forstwirtschaft enstanden ist.

Im ergänzenden Artikel: „Dieser Schutz der Umwelt kann für den Wald falsch sein“, werden Bedenken zum bestehenden Umweltschutz des Waldes angemahnt.

Was war der Grund den Begriff „Nachhaltigkeit“ zu prägen?

Vor 300 Jahren war, ebenso wie heute, Holz, für die Privat-und Forstwirtschaft, und folglich auch für die Möbelindustrie und die Energierzeuger, ein lebensnotwendiger und darum begehrter Rohstoff. Damals war es normal den Ofen mit Holz zu befeuern, Häuser mit Holz zu bauen, Vollholzmöbel in Küche und Wohnstube zu haben. Da Holz überall vorhanden war, es selbst gesammelt oder kostengünstig gekauft werden konnte, wurde es sorglos verbraucht. Die Folge dieser Wirtschaft war, dass sich eine Holznot abzeichnete. Die machte sich auch beim Bergbau bemerkbar. Damals war auch der Bergbau,mit seinem Abbau von Kohle und Erz, ein wichtiger Industriezweig und bei diesem war Holz, in der Verwendung als Stützpfeiler zum Beispiel, unabdingbar. Vor 300 Jahren war plötzlich, auch für diese Verwendung Holz nur im geringen Maße erhältlich. Vorausschauende Menschen, wie Hans Carl von Carlowitz , erkannten, dass in der Forstwirtschaft ein anderer, auf die Zukunft ausgerichteter Umgang mit der Ressource Holz eingeführt werden müsse. In dieser Notsituation wurde der Begriff der nachhaltigen Forstwirtschaft in Deutschland, geprägt und verwirklicht.

Weil die Umsetzung der Nachhaltigkeit in diesem Wirtschaftszweig gute Ergebnisse zeigte, schien es denkbar, sie auch auf andere Gebiete, wie zum Beispiel die Landwirtschaft und schließlich auch auf die Industrie anzuwenden. Das geschah dann auch. Spätestens bei der Umweltkonferenz der Vereinten Nationen, 1992 in Rio, wurde das ehemalige fortstliche Wirtschaftsprinzip zu einem globalen Leitbild.

Im Jubiläumsjahr, 2013 kann die Forstwirtschaft in Deutschland, berechtigterweise und mit Stolz, auf ihre Leistungen zurückblicken. Ihr Anspruch an sich lautet: „Vorausschauend aus Tradition.“ Das beinhaltet, dass schon heute, auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene, auf die zukünftigen Belange, im Bereich der Energiewirtschaft im Besonderen, eingegangen werden muss. Es kann nicht oft genug wiederholt werden: Es ist die Forstwirtschaft, die in Deutschland, mit ihren zukunftsträchtigen Ideen beeindruckt und den nötigen Pioniergeist hat.

2013 Start der Kampagne: „Sie finden Nachhaltigkeit modern? Wir auch – seit 300 Jahren“

Anlässlich des 300jährigen Jubiläums zur Prägung des Begriffes „Nachhaltigkeit“, startete der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR) im Januar 2013 unter dem Motto „Sie finden Nachhaltigkeit modern? Wir auch – seit 300 Jahren“ eine Kampagne, um das Bewusstsein in der Bevölkerung und bei den verantwortlichen Politikern für den Ursprung der Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft zu schaffen. Mit dieser Betonung soll das Vertrauen der Bevölkerung, der Wirtschaft und der Politiker in die Forstwirtschaft Deutschlands gestärkt werden. Gleichzeitig soll die Bereitstellung des nachwachsenden Rohstoffs Holz gestärkt werden, ohne dabei den Wald als Lebens- und Erholungsraum zu vergessen oder ihm gar zu schaden. Schließlich ist es der Anspruch der deutschen Forstwirtschaft, die ökologischen, ökonomischen und sozialen Anforderungen heute und in Zukunft zu erfüllen. Die Kampagne wird durch das Bundesministerium Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucher, BMELV, finanziell unterstützt.

Wie gestaltet sich das Jubiläumsjahr?

Bei Jubiläen sind es oft die Gefeierten, die freundlich lächeln die Huldigungen entgegen nehmen, dann von der Bühne abteten und in der Masse verschwinden.Bei der Feier zur Prägung des Begriffes „Nachhaltigkeit „steht, neben dem Wald, eigendlich die ganze Welt auf der Bühne. Darum sind die Angebote der Veranstaltungen so vielfältig, dass sie, im Jubiläumsjahr 2013, durch ein übergeordnetes Kampagnebüro geleitet werden müssen.

Es ist besonders die Presse und die Medien, die mit ihrer Arbeit auf Veranstaltungen zum Thema Erneuerbare Energie hinweist. Auf Messen, in Verwaltungen, Unternehmen und Verbänden wird immer wieder auf die unterschiedlichen Wege zur Erzeugung einer Energie die „Nachhaltig“ ist, hingewiesen. Es werden an Universitäten Ringvorlesungen aus der Sylvicultura oeconomica, gemacht, Wettbewerbe für Meisterschüler und Studenten der Forstwirtschaft sind geplant.

In vielen Wäldern werden gut ausgebildete Führungen und Erlebniswanderungen zum Thema: „Nachhaltigkeit stattfinden. Es wurden eigene Informationstafeln installiert, die auf die Bedeutung der Nachhaltigkeit im gesamten Ökokreislauf aufmerksam machen und informieren.

Fachausstellungen zur Nachhaltigkeit in Baden-Württemberg und in Sachsen, zum Beispiel bei der Gartenschau 2013 in Sigmaringen, und der niedersächsische Schülerwettbewerb „Waldlabor“ ergänzt die gesamte Kampagne. Bei der Gartenschau2013 in Sigmaringen,wurde dem Thema Wald und der Nachhaltigkeit, ein eigener Bereich gewidmet. Gleich hinter dem Eingang an der Burgstraße, befindet sich der Pavillion, in dessen Umfeld die Vielfältigkeit des Werkstoffes Holz hervorgehoben wird. Mit Schautafeln, einem Kochlöffelbaum,den Hinweisen auf die vielfältige Nutzung von Holz, wird auf die nachhaltigen Wirtschaftsweise, die auch im hohenzollerischen Forst gepflegt wird, hingewiesen. Ein ergänzender Artikel: „Vorfreude auf die Gartenschau 2013 in Sigmaringen“

Es werden Fachvorträge zum Begriff „Nachhaltigkeit gehalten

Bundeskanzlerin Angela Merkel blickte während des Festaktes gemeinsam mit dem Deutschen Forstwirtschaftsrat, der FNR und Experten, auf 300 Jahre nachhaltige Forstwirtschaft zurück. In den Fachvorträgen betrachten zum Beispiel Eduardo Rojas von der FAO und Dr. Robert Kloos, Staatssekretär im BMELV, die globalen gesellschaftlichen Herausforderungen im Umgang mit den deutschen Wäldern und die tatsächliche Anwendung des Nachhaltigkeitsprinzips in der Forstwirtschaft. Die Forstwirtschaft blickt bei der geplanten Veranstaltung nicht nur auf ihre Leistungen in Vergangenheit und Gegenwart, sondern vielmehr auf die Anforderungen der Zukunft, die es im heutigen Handeln zu berücksichtigen gilt – sei es auf regionaler, nationaler oder internationaler Ebene.

Buchtipp: Rezension – Die Geldverbesserer, Martin Gerth